Trauer

Trauer ist so ein Gefühl das mich immer wieder besucht. Aber man darf sich das nicht wie einen Freund vorstellen den man in der Stadt trifft kurz Smalltalk hält und dann sagt lass und mal wieder einen Kaffee trinken.

Nein man muss sich das so vorstellen man läuft durch die Fußgängerzone und hinter dir steht auf einmal ein Bulldozer der dir seine Schaufel ins Gesicht streckt und der Fahrer ruft: „Hey lang nicht mehr gesehen. Lass uns JETZT reden.“. Und wenn du dich umdrehst steht der Freund vom Bulldozer in Form eines Bulldozer vor dir. Und dann gesellen sich noch einer links und einer rechts dazu.

Das fiese an Trauer ist das sie so unberechenbar ist. Es reicht ein Geruch, ein Lied, ein Gedanke oder eine Erinnerung, eine Benachrichtigung von Google Foto Hey erinnere dich doch an den Tag X und schon ist sie gekommen um zu bleiben.

Die Kunst ist dann die Trauer in seine Schranken zu weisen. Sich nicht überfahren zu lassen. Die Trauer darf sich ihren Raum nehmen aber nicht mein Leben oder meinen Tag bestimmen. Es ist gut sich zu erinnern. Aber man muss auch wieder aus diesem Tal rausklettern.

Gerade am Anfang wusste ich oft nicht wie es weiter geht. Die Trauer nahm mir jegliches Gefühlt für Raum und Zeit. Die Beerdigung in 2 Wochen zu planen fühlte sich an als ob ich die Hochzeit meiner 9 Jährigen Tochter planen muss wenn sie 30 ist. Ich konnte gar nicht mehr planen ich wusste nicht mehr wie es weiter geht.

Um wieder ein bisschen Kontrolle und wieder Gefühl für Zeit zu bekommen fing ich an nicht mehr Tage oder Wochen vorauszuplanen sondern in der Ersten Woche plante ich nur ca. 6 Stunden voraus. D.h. ich plante also was ich mache wenn die Kids nicht zu hause sind. Dann plante ich was ich mit den Kids am Nachmittag mache. Dann plante ich den Abend und die Nacht. Selbst die 6 Stunden voraus Planung fühlten sich an wie eine Woche. So steigerte ich mich immer mehr zum planen von einem ganzen Tag einer halben Woche, einer Woche, eines Montags. Mein Mantra in dieser Zeit war: „Schau nicht zurück.“ oder wie es Pumba sagt „Man muss seinen Hintern in die Vergangenheit bringen“.

Im November 2019 kam die Eiskönigin 2 in die Kinos. Und ein Song hat mich so an diese Zeit erinnert:

Songtext von Kristen Bell – The Next Right Thing Lyrics (songtexte.com)

In Deutsch heißt der Song: Der nächste Schritt [Die Eiskönigin 2] Lyrics

Und genauso wie in diesem Song beschrieben war mein Gefühl der Ersten Tage / Wochen. Diese Dunkelheit dieses Taube Gefühl. Diese Hilflosigkeit und dann war wirklich das was mir geholfen hat diese Zerlegung des Tages. Entscheidung für Entscheidung treffen. Schritt für Schritt wieder ins Leben. Stark sein für meine Kinder. Lest euch mal den Songtext durch, wer diesen Text geschrieben hat, der hatte schonmal Trauer / Verlust in seinem Leben.

Die Trauer wird immer ein Teil von mir sein. Sie wird mich mein Leben begleiten. Oft unsichtbar aber oft auch brutal. Sie in die Schranken zu weisen kostet kraft. Sie gewähren zu lassen wäre fatal und würde mich mein Leben, meine Freude kosten.

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